Buchverlag Landam Salvo

Frisch hinein und ohne Wanken!

Anmerkungen des Verlagsgründers

Warum gibt es diesen Verlag? Warum gründet überhaupt jemand einen Verlag? Quelle und Antrieb ist die Liebe zum geschriebenen bzw. gedruckten Wort. Mich hat meine Leidenschaft für Sprache und Bücher zunächst dazu gebracht, Germanistik zu studieren und ein Vierteljahrhundert als Journalist zu arbeiten. Den Gedanken – oder eher: frommen Wunsch –, irgendwann in weiter Ferne einen Verlag aufzuziehen, hat mir Fritz Molden eingeimpft. 1987 habe ich bei dem legendären Wiener Verleger (und Widerstandskämpfer, Autor, Journalist, Zeitungsgründer, Diplomat) eine Vorlesung über das Verlagswesen besucht. Der Mann war charismatisch und hatte Unmengen von Anekdoten auf Lager, sein Vortrag war ein kolossales Vergnügen. Aber ich habe auch kapiert: Einen Verlag zu führen war eine aufwendige und kostspielige Angelegenheit, also nichts für mich. Wo doch selbst Molden ein paar Jahre zuvor mit seinem renommierten Verlag Schiffbruch erlitten hatte.
     Mehr als drei Jahrzehnte später flammte die Idee vom eigenen Verlag wieder auf. Bei ein paar Seminaren in den prachtvollen Räumlichkeiten des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels habe ich Blut geleckt und schließlich den zweisemestrigen Lehrgang „Verlagswirtschaft und Medienmanagement” bei der Medienakademie des Goldegg Verlags absolviert – eine herrliche Zeit unter Gleichgesinnten. Bei der Begrüßung hieß es: „In der Buchbranche herrscht ein angenehmer Umgangston, und man lernt interessante Menschen kennen. Aber mit schnellem Reichtum sollte man nicht rechnen.” Das kann ich so unterschreiben.
     Der eigene Verlag war rasch auf die Beine gestellt, heute ist das keine große Hexerei mehr. Auch der Name für meinen Verlag war bald gefunden. „Landam Saivo” spielt an auf Paul Celans Gedicht „Abzählreime” und auf die doppelbödigen Seen in der Mythologie Lapplands. Eine Hommage an einen großen Lyriker und an den faszinierendsten Teil Nordeuropas. Als Verlagsprogramm schwebten mir Nischen vor, in denen ich heimisch bin: der Pinzgau, Finnland, Film und Voodoo. Jetzt brauchte ich nur noch etwas zum Veröffentlichen. Warum nicht etwas Eigenes? So in der Art von Autorenfilmern oder One-Man-Bands? Ich schleppte ja auch schon länger eine schräge Idee für einen Roman und allerlei Pläne für Sachbücher mit mir herum.
     Die Bedenken, dass ein im eigenen Verlag veröffentlichter Roman einen unangenehmen Beigeschmack hat, wischte ich vom Tisch und machte mich an die Arbeit. Mit Rohversionen von „Zum Goldenen Rentier” belästigte ich Freunde. Tausend Dank an Kari, Tine, Christa und Dietmar, die mir wertvolle Anregungen lieferten. Schließlich heuerte ich mit Pamela noch eine fachkundige Lektorin an, die dem Roman weiter auf die Sprünge half. Merke: Wer seine Schöpfungen mit anderen teilt, sie ihnen gewissermaßen zum Fraß vorwirft, der wird von den Musen geküsst. Nichts kurbelt die Kreativität so sehr an wie Kritik.
     Während der Autor in mir himmlische Freude daran fand, Tag und Nacht am Text zu feilen und immer neue Ideen einzubauen oder doch wieder zu verwerfen, musste sich mein Verleger-Ich langsam Gedanken über Satz, Typografie, Druck und dergleichen machen. Klar war von Anfang an nur, dass es ein wunderschönes Buch werden muss. Edles Papier, umwerfendes Cover, im Layout den goldenen Regeln der Lesbarkeit folgend. Ein Vorzeigeprodukt für mich und meinen jungen Verlag.
     Blauäugig dachte ich, dass ich mir für den Buchsatz einfach die passende Software besorge, ein paar Online-Tutorials anschaue – und ab geht die Post. Bald war ich der Verzweiflung nahe. Mit der Hilfe meiner Freundin Lucie habe ich es letztlich doch noch geschafft, in die Materie einzutauchen und alles so zu gestalten, wie ich es für richtig halte. Das Cover verdanke ich meiner lieben Freundin Nicole, der großartigsten Graphikerin der Welt. Die Schienen zur passenden Druckerei (CPI in Deutschland) legte mir Elmar, der Chef und Lehrgangsleiter des Goldegg-Verlags. Verzögert wurde alles dadurch, dass ich zunehmend an meiner Sattelfestigkeit in punkto Rechtschreibung zu zweifeln begann – und das Manuskript einer qualifizierten Korrektorin überantwortete. Eine kluge Entscheidung.
     Zwei Tage vor dem Heiligen Abend 2020, nachmittags um halb drei, sind die Rentiere dann endlich eingetroffen. Vereinbart war Lieferung an die Gehsteigkante vor meiner Wohn- und Verlagsadresse. Nie zuvor habe ich so vor Regen oder Schneefall gezittert – die Gott sei Dank ausgeblieben sind. In den letzten Stunden vor dem weihnachtlichen Lockdown habe ich es noch geschafft, das Buch in einigen Wiener und Pinzgauer Buchhandlungen zu platzieren. Danke für euer Entgegenkommen, liebe Buchhändlerinnen und Buchhändler!
     Jetzt fiebere ich den Zeiten entgegen, in denen es endlich möglich sein wird, Lesungen zu veranstalten. Dabei wird es Gustostückerl aus Finnland und dem Pinzgau geben, versprochen! In der Zwischenzeit bastle ich an weiteren Buchprojekten.

Herzlichst,
Roland Bonimair